Umgebung

Junioren WM 2011 in Brasilien – Samstag 19.11.

Anna Nobis

 – Erst einmal ein Rückblick auf Freitag. Habe leider verloren. Die Vorbereitung kam nur im Ansatz auf das Brett, dann habe ich mich etwas zu passiv aufgestellt und war dem Angriff auf meinen König nicht gewachsen. Da ich aber nach 4 Stunden Partie gegen 20.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr zu Hause) ziemlich geschafft war, ging es nur noch zum Abendessen und ins Bett. Die genaue Partieanalyse muss warten.

Heute, Samstag, nach dem Aufwachen erst einmal der Blick ins Internet auf die Ansetzungen der 2. Runde. Ich spiele gegen eine Argentinierin, von der ich nicht eine einzige Partie in meiner Datenbank habe. Also nach dem Frühstück erst einmal Vorbereitung ins Blaue hinein. Ich habe Weiß und wähle 2 Eröffnungssysteme aus, mit denen ich mich die nächsten 2 Stunden beschäftige. Zum Mittagessen fragen wir doch noch mal den Bundestrainer, ob er eventuell noch andere Datenbanken hat und wir finden einige wenige Partien, darunter auch eine Entgegnung auf meinen Eröffnungszug. Die am Vormittag angesehenen Eröffnungen waren es leider nicht. Also statt Entspannung noch mal eine halbe Stunde Vorbereitung.

Am Spiellokal das gleiche Bild wie am Vortag. Menschen über Menschen – großer Andrang an der Saaltür, da erst nur die Spieler rein dürfen, aber dann doch noch Erwachsene, die aber spätestens nach einer viertel Stunde wieder raus müssen. Manche Spieler schaffen es gerade so durch den Menschenpulk um pünktlich zu Rundenbeginn am Brett zu sitzen. Laut Ausschreibung gab es eigentlich Null-Karenz, das bedeutet, wer es nicht schafft, hat sofort die Partie verloren! Aber zu Turnierbeginn wurde das wohl schon wieder kurzfristig geändert. Jetzt muss man bis spätestens 15 Minuten nach offiziellem Rundenbeginn am Brett sein. Ich bin trotzdem immer schon 20 Minuten vorher da. Generell wird hier wohl gern kurzfristig geändert. Erst sollte die WM über 11 Runden ohne freien Tag und mit 2 Doppelrunden gespielt werden. Nach dem Protest einiger Nationen den fehlenden freien Tag betreffend, verkürzte man das Turnier einfach auf 9 Runden mit Doppelrunde am Sonntag und frei am Montag. Mir soll`s recht sein, hat man vielleicht doch noch die Gelegenheit, etwas vom Land zu sehen.

Uhr – nach nur 2,5 Stunden Spielzeit gab meine Gegnerin auf. Ich freue mich über meinen allerersten WM-Punkt und laufe durch die parkähnliche Hotelanlage zum Zimmer. In diesem Park trifft man oft kleine Echsen auf den Wegen, Papageien sitzen in den Bäumen und die Sittiche zwitschern oder trällern (weiß nicht, wie sich das nennt) von morgens bis abends. Außerdem saugen Kolibris (ich glaube zumindest, dass es welche sind) mit ihrem langen Rüssel den Nektar aus den vor unserem Zimmer blühenden Hibiskusblüten. Dunkel wird es abends bereits gegen 19.30 Uhr, aber warm bleibt es noch bis lange in die Nacht. Die Klima-Anlage hat gut zu tun! Jedes Zimmer hat seinen eigenen Kasten an der Wand. Und genau mit diesem hat Freitag Abend ein Trainer aus dem deutschen Team die ganze Hotelanlage kalt (besser gesagt warm) gestellt. Mit dem Anstecken seiner Anlage gab es einen Kurzschluss und alle saßen im Dunkeln. Auf den Hotelgängen liefen dann doch erstaunlich viele Schachspieler mit einer Taschenlampe umher. So etwas einzupacken wäre uns im Traum nicht eingefallen – wir wollten doch nicht zum Camping! Aber erfahrene Schachreisende haben da wohl schon so ihre Erfahrungen! Wir hatten jedoch noch Akkukapazität im Laptop und nutzten so die Bildschirmhelligkeit um uns im Zimmer zu orientieren. Für mich war sowieso Schlafenszeit angesagt!

Samstag Abend: Kurz nach dem Abendessen steht schon die Auslosung für die 3.Runde im Netz! Super, ich darf gegen die an Nummer 1 gesetzte Inderin spielen. Habe also nichts zu verlieren. Da morgen die Doppelrunde ist, beginnt die 3.Runde bereits 10.00 Uhr. Also geht es jetzt zeitig ins Bett und die Vorbereitung wird dann vor dem Frühstück erfolgen.

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